Johanniskind 8.6.2017

Ein kleiner Statusbericht und ein Schnipselchen aus Teil 1 Johanniskind – Bedrohung

Das Cover steht, das Layout wartet auf den letzten Lektoratsdurchgang – ich auch 🙂 Wenn alles läuft, wie ich es mir vorstelle, sollten die vorbereitenden Arbeiten für den Upload im Laufe der kommenden Woche abgeschlossen sein.

Der geplante Veröffentlichungstermin, der 24.6.2017, Johannistag, rückt unaufhaltsam näher, es wird also ernst.

Passend zum heutigen Tag des Meeres habe ich mir gedacht, ich lasse ein Appetithäppchen da.

Nicht nur das sagenhafte Rungholt, auch die Zwischenwelt ist von einem Meer umgeben. Einem Meer, das in den Nebeln der Macht verschwindet. Was es damit auf sich hat, will ich nicht verraten. Dafür gibt es einen kleinen Schnipsel von Ingwers Flucht aus Rungholt vor der großen Flut 1362, die den Ort in den Abgrund gerissen hat.

‚Der Boden rund um die Kirchwarft hatte sich in ein Meer aus Schlamm verwandelt, der starke Sturmwind riss und zerrte an den Flüchtlingen, sodass sie sich nur mühsam auf den Beinen halten konnten. Alard brüllte ein Gebet nach dem nächsten in den auf ihn niederprasselnden Regen und umklammerte den Beutel mit dem Stein. Eng ineinander verhakt rutschten sie den Hügel hinab und suchten einen Weg zwischen den Häusern hindurch. Endlich ließen sie Rungholt hinter sich und erreichten den kleinen Ort Niedam, der direkt am Heverstrom lag. Dort hatte Ingwer ein Fischerboot vertäut, mit dem sie hinüber zum Festland paddeln sollten. Als Alard den kleinen Einbaum sah, blieb er erneut stehen.

»Damit willst du in den Strom? Das werden wir nie überleben!« Er sträubte sich wieder und unterbrach seine Gebete. Sofort kamen die Stimmen und umtobten ihn, laut kreischend und brüllend.

»Gib mir den Stein! Er ist Mein! Du wirst sterben! Sterben! Sterben!«, hallte es laut durch die Nacht. Verängstigt nahm Alard seine Litanei wieder auf und die Stimme verstummte schlagartig.

»Verflucht, Alard! Nun weiß Nekke, dass wir fliehen wollen! Ich hatte Euch gesagt, Ihr sollt unter keinen Umständen aufhören zu beten!«, tobte Ingwer und stieß den Pfarrer auf das Boot zu. »Jetzt steigt endlich ein! Gnade Euch Gott, wenn Ihr noch einmal in Euren Gebeten innehaltet! Ihr bringt uns um Kopf und Kragen!«

Während der Pfarrer versuchte, unbeschadet in den Einbaum zu klettern, reichte Ingwer Agnes seine Hand. Das Mädchen ließ sich im Bug des primitiven Bootes nieder und ergriff sofort eines der Paddel. Als Ingwer ins Boot sprang und zum Heck rutschte, kauerte Alard sich in die Bootsmitte und betete inbrünstig, den Beutel zwischen den gefalteten Händen an der Brust geborgen. Ingwer löste das Boot vom Steg, drückte es mit einem kräftigen Stoß vom Ufer weg und tauchte sein Paddel ins Wasser. Agnes tat es ihm nach, und bereits wenig später befanden sie sich, unterstützt vom auflandigen Sog der Fluten, in der Mitte des aufgewühlten Gezeitenstroms.‘

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.